Zwei Predigtskizzen für einen Bibellese-Sonntag

A. Mt 12,1-8: „Die Bibel – Lesen macht den Unterschied!“

Einstieg

Manches bekommt man nur heraus, wenn man eine Anleitung liest: Koch- oder Backrezept, Beipackzettel eines Medikaments, Gebrauchsanweisung, Stadtplan, Landkarte … (ein Beispiel aus eigener Erfahrung wählen)

Textlesung

Jesus fragt die Pharisäer: „Habt ihr nicht gelesen?“ Wenn sie nur bestimmte Gebote kennen, haben sie zu wenig gelesen. Jesus bezieht sich hier dagegen auf weitere Stellen im Wort Gottes.

1. Wer sollte lesen?

Die Pharisäer waren damals überwiegend keine Theologen, sondern einfache Leute, Bauern, Händler. Und zwar solche, die ganzen Ernst machten mit Gott. Es war eine Laienbewegung, sie hatten kein Studium hinter sich. Von diesen normalen Leuten also hatte Jesus erwartet, dass sie mehr in ihrer Bibel gelesen hätten.

2. Was soll man lesen?

Mehr! Weiter lesen!

Jesus führt zwei Beispiele aus den Geschichtsbüchern an und noch ein Prophetenwort (Hos 6,6). Erst aus einer solchen Fülle entsteht das Gesamtbild. Zu wenig Texte verzerren das Bild.

Aus den verschiedenen Einzeltexten, oft auch mit ihren Gegensätzen, eine Schlussfolgerung anzuleiten, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Das geht nicht immer einfach. Aber Jesus ist hier anspruchsvoll, er mutet diese Aufgabe zu.

3. Wer fragt nach dem Lesen der Schrift?

Jesus natürlich … das ist aber mehr als eine Formalie. Jesus ist die Mitte der Schrift, er ist der verbindliche Ausleger. Wie es in der 1. These der Barmer Erklärung ausgedrückt ist. Wir sollten die Schrift von Jesus her lesen – dann klären sich manche Widersprüche. In vielen Fragen hat er eine (manchmal durchaus einseitige) Auslegungsentscheidung gefällt.

4. Zielgedanke

Manchmal ist ein besonderes Wagnis das Gebot der Stunde. In den siebziger Jahren hieß es: „Mehr Demokratie wagen!“ Für uns heute wäre dran: Mehr Bibel wagen!

Siehe auch: http://herdenfutter.blogspot.de/2010/02/predigt-die-bibel-lesen-macht-den.html

 

B. Mt 2,1-12: Ein präziser Wegweiser – die Bibel

Einstieg

Eugene Peterson hat einmal dieses nette Erlebnis berichtet – Zitat:

Mir gefallen Gespräche, die mit folgender Frage beginnen: „Wenn du als Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel an Land gespült würdest, welches Buch hättest du am liebsten bei dir?“ Normalerweise versuche ich die Bibel auszuschließen, um fromme Mogelei zu vermeiden. Ich schmeichle mir, dass ich aus den Antworten bedeutende Werte und den Geschmack meiner Gesprächspartner herauslesen kann. Wer Shakespeares König Lear auswählt, hat sich vermutlich der Erforschung der Tiefen menschlicher Beziehungen verschrieben. Fällt die Wahl auf das Statistische Jahrbuch oder das Guinness Buch der Rekorde, so ist das ein Indiz für einen Menschen, der alles Wissen auf unpersönliche Informationen reduziert und der es vorzieht, mit so wenig menschlichen Beziehungen als möglich auszukommen. Eine Vorliebe für Miltons Das verlorene Paradies deutet auf ein Faible für theologische Meditation hin. Die beste Antwort, die ich je auf diese Frage gehört habe, war überraschend, doch offensichtlich: eine Praktische Anleitung für den Bootsbau.[1]

Demnach wäre die Bibel ein Buch, das das Überleben sichert. Der Wert der Bibel steht und fällt damit, ob sie uns von einer Insel herunterbringen kann, ob sie uns das Boot bauen hilft, oder ob sie bloß Betrachtungen über Inseln und Boote im Allgemeinen bietet.

Über die Bedeutung der „Bibel“, die Bedeutung des schriftlichen Wortes Gottes, berichtet auch ein Bibelabschnitt, der zu schade ist, dass man ihn sich nur einmal im Jahr ansieht.

Textlesung

1. Unklare Leitsterne

Die Astronomen haben nach allen Regeln ihrer Kunst kombiniert, wo der Gesuchte zu finden ist. Die Verbindung von Jupiter, dem Königsgestirn, und Saturn, den Schutzgestirn für Israel (so erklärt man den „Stern von Bethlehem“) ergibt, zusammengezählt, den Königshof von Israel. Das aber  führt knapp daneben, und das ist auch vorbei.

Unklare Leitsterne heute sind z.B. unsere Erwartungen an Gott oder das Leben; das, was wir nur für möglich halten; auch die Verwechslung von Christsein mit der Befolgung von ethischen Leitlinien (Christsein als Lebensentwurf – statt als Nachfolge hinter Jesus her).

2. Der präzise Wegweiser: die Bibel

Klärung kommt erst von einem Schriftwort her. Dies korrigiert nicht nur die Route, sondern zugleich auch die Erwartungen der Suchenden. Sie haben den neuen König im Palast gesucht, und nun finden sie ihn in einem einfachen Haus. Sie vermuteten den König als Prinzen, als Nachfolger in einer königlichen Dynastie. Aber sie finden ihn in einer ganz normalen Familie, Mutter, Kind, und der Vater ist auf der Arbeit. Die Erwartungen, die sie aus sich heraus hatten und die ja auch allgemein in der Luft lagen, wurden richtiggestellt. Wie kam das? Aus der Bibel.

Hier können sich aktuelle Anwendungen und Beispiele anschließen, je nach Situation der Predigthörer.

3. Nicht nur aufschlagen, sondern aufbrechen!

Die Sterndeuter waren schon lange unterwegs gewesen, und so fiel es ihnen nicht schwer, auch noch für die fehlenden zehn Kilometer aufzubrechen. Sie waren beweglich, ihnen hatte nur die Bibel gefehlt. Bei den Geistlichen und Theologen in Jerusalem war es umgekehrt: Sie hatten die Bibel, sie wussten bestens Bescheid über den Retterkönig und seinen Geburtsort, sie hatten alle Informationen an der Hand – aber sie waren nicht beweglich. Auch nicht, als es ihnen die Astrologen vormachten. Sie konnten die Bibel aufschlagen, aber mochten nicht aufbrechen.

Ein Buch aus den letzten Jahren hat den provokanten Titel: „Denn sie tun nicht, was sie wissen.“ Damit ist die ganze Christenheit des Westens gemeint. Wir wissen viel, mehr als zu jeder anderen Zeit der Geschichte vermutlich – aber wir tun nicht, was wir wissen.

Wie viel Einfluss darf die Bibel auf dein Leben haben? Zeit, Geld, Umgang mit Menschen, Berufsleben, dein Bild von dir selbst, deine Selbstzweifel …? (Beispiele je nach aktueller Situation und Hörerschaft ergänzen.)

Zielgedanke

Die Bibel ist ein Buch wie die Praktische Anleitung für den Bootsbau auf einer einsamen Insel. Die Astrologen aus dem Nahen Osten haben es gezeigt. Sie hatten, erstens, unklare Leitsterne. Die führten sie fast ans Ziel, aber nur fast. Sie merkten zweitens: Die Bibel ist der präzise Wegweiser. Das zeigten ihnen Leute, die einen Vorsprung hatten im zweckfreien Bibellesen. Und drittens waren sie imstande, nicht nur aufzuschlagen, sondern aufzubrechen.

Was macht du morgen mit deiner Bibel?

 



[1]Eugene Peterson: Mit den Pferden laufen. Verlockung zu einem leidenschaftlichen Leben. Gießen 2003, 133f.